Klima-Weltkarte zeigt dramatische Folgen einer Erwärmung um 4 Grad Celsius (22/10/2009)
Am 22. Oktober stellte die britische Regierung eine Weltkarte vor, auf der zu sehen ist, welche Konsequenzen es weltweit hätte, wenn wir die Erwärmung der Erde nicht auf 2 Grad Celsius begrenzen. 45 Tage vor Beginn der internationalen Klimaverhandlungen in Kopenhagen drängt die britische Regierung damit auf eine möglichst ehrgeizige Klimavereinbarung, um die aufgezeigten gefährlichen Folgen zu vermeiden.
Außenminister David Miliband, Klimaschutz- und Energieminister Ed Miliband und der Chefwissenschaftler der britischen Regierung, Professor John Beddington, stellten die Weltkarte im Londoner Wissenschaftsmuseum gemeinsam vor. Entwickelt wurde die Karte vom Hadley Centre des britischen Meteorologischen Amtes (Met Office), wobei neueste, im Peer Review bestätigte wissenschaftliche Erkenntnisse des Hadley Centre wie auch anderer führender Klimaforscher verwendet wurden. Sie zeigt einige der Auswirkungen, die ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 4°C gegenüber den mittleren vorindustriellen Klimawerten verursachen könnte.
Die Karte macht deutlich, dass ein mittlerer Temperaturanstieg um 4°C nicht überall auf der Erde gleichmäßig eintreten wird. Die Landmassen erwärmen sich schneller als die Ozeane, und in den hohen Breitengraden, besonders in der Arktis, ist der Anstieg größer. Die mittlere Erwärmung der Landmassen gegenüber dem vorindustriellen Niveau würde in diesem Szenario bei 5,5°C liegen.
Die möglichen Auswirkungen dieser Veränderungen auf die menschlichen Aktivitäten werden nur in einer Auswahl wiedergegeben, die sich auf schwerwiegende Folgen wie die Verfügbarkeit von Wasser, die landwirtschaftliche Produktivität, Temperaturextreme und Dürren, das Risiko von Waldbränden und den Anstieg des Meeresspiegels konzentriert.
So ist weltweit bei allen wichtigen Getreidearten in allen bedeutenden Anbaugebieten mit einem Rückgang der Ernteerträge zu rechnen. Bis 2050 wird die Hälfte der Gletscher im Himalaja deutlich zurückgehen, was dazu führt, dass 23% der Bevölkerung Chinas in der Trockenzeit das überlebenswichtige Schmelzwasser der Gletscher fehlen wird.
Außenminister David Miliband erklärte: „Mit einer um 4°C wärmeren Erde können wir nicht fertig werden. Diese Karte verdeutlicht das Ausmaß der Herausforderung, mit der wir es heute zu tun haben. (…) Um das Problem des Klimawandels in den Griff zu bekommen, müssen wir alle - die Regierungen und auch die Zivilgesellschaften - gemeinsam daran arbeiten, die Erwärmung der Erde auf 2°C zu begrenzen.“
Vicky Pope, die Klimaschutz-Chefberaterin des Met Office, fügte hinzu: „Wenn weiter im selben Ausmaß wie bisher Treibhausgase ausgestoßen werden, wird die globale Durchschnittstemperatur wahrscheinlich bis zum Ende des Jahrhunderts oder möglicherweise sogar noch deutlich früher um 4°C ansteigen. (…) Wir müssen deshalb jetzt etwas zur Senkung der Emissionen tun, um einen zukünftigen Mangel an Wasser und Nahrungsmitteln zu vermeiden.“
Prof. Chris Rapley, Direktor des Wissenschaftsmuseums und Professor für Klimawissenschaft am University College London, erläuterte: „Die Landkarte verdeutlicht in grafischer Form die dramatische Veränderung unserer Welt, die eine globale Erwärmung um 4°C auslösen würde. Sie lässt keinerlei Zweifel daran, wie überaus wichtig es ist, dass bei den Verhandlungen in Kopenhagen ein gutes Ergebnis erzielt wird“.
Hinweise für Redakteure
Weitere Informationen zu den wissenschaftlichen Grundlagen der Klimakarte finden Sie unter www.metoffice.gov.uk/climatechange/guide/effects/
Die Online-Version der 4-Grad-Klimakarte ist mit einem interaktiven Webtool ausgestattet, das dem Besucher die Möglichkeit gibt, sich auf bestimmte klimatische Auswirkungen oder geografische Gegebenheiten zu konzentrieren. Außerdem bietet sie Zugang zu ausführlicheren Informationen zu den wissenschaftlichen Grundlagen der Karte. Die Karte kann auf jede Website eingestellt werden, der dafür erforderliche Embed-Code kann unter www.actoncopenhagen.decc.gov.uk/4degrees abgerufen werden.
Die Präsentation der Klimakarte im Wissenschaftsmuseum fand zusammen mit der Vorstellung des neuesten Museumsprojekts statt, das den Titel ‚Prove It! All the evidence you need to believe in climate change’ (auf Deutsch etwa: Beweisen Sie es! Alle nötigen Indizien, um Sie vom Klimawandel zu überzeugen) trägt. Weitere Informationen dazu unter www.sciencemuseum.org.uk/proveit